Wenn man irgendwo in Südostasien sitzt, irgendwo am Tellerrand der Weltscheibe, wo die Naturgesetze schon nicht mehr in der bei uns in Germanien bekannten Form gelten (etwa füttert man hier körperlose Verwandte), dann kann das den Ehepartner schon in Angst und Schrecken versetzen, wenn man fordert, man wolle jetzt sofort zu IKEA um ein Hot-Dog zu essen, Marabou und Daim kaufen und endlich mal wieder in einer Sofagarnitur "Fixfurza" Probe sitzen. Meine Frau versuchte es erst mit Leugnen, IKEA gäbe es hier nicht, sagte sie. Außerdem mag sie es eh nicht so, von wegen frisch verheiratet damals und was dann mit dem Lattenrost geschah ("brucha"). Es fanden sich schnell Leidensgenossen, ein Deutscher im Expatforum klagte, die Rostbank (Name von der Redaktion geändert) aus Deutschland habe auf telefonischer Klärung an Ort und Stelle bestanden, als er bei IKEA in Taiwan mit Rostbank-Kreditkarte bezahlen wollte, nur um ihm dann am Telefon zu erklären, IKEA gäbe es nicht in Taiwan. Abgelehnt. Bumm.
Na, das könnte ich noch toppen, in Hschinzu oder wie sich das schreibt (weiß kein Mensch) gibt es ein Geschäft namens HANNOVER, liegt gleich gegenüber einer VW-Vertretung und hat sogar ein springendes Pferd im Schriftzug. HANNOVER, TAIWAN, na das wäre was für die Rostbank. "Liegt das nicht in Niedersachsen?"
Ignorant sind die Menschen, auch als ich eine Stunde lang durch das Gewerbegebiet unserer Kleinstadt namens Jhongli (darf man auch Zhongli schreiben, Konservative dürfen auch Dshungli notieren, wenn es schon sein muss, "Mogli" aus dem Dschungelbuch ist aber nicht richtig) kreiste, sagte meine Frau immer wieder: IKEA, das gibt es hier nicht. So sind die Frauen. Auch Schliemann mit seinem Troja ist es bestimmt so ergangen, möchte nicht wissen was Frau Schliemann rumgemeckert hat, bis er die Ruinen endlich gefunden hat. "Das soll Troja sein?" Aber dann wollen sie doch den Schmuck fürs Foto um den Hals gehängt bekommen oder ein Hot-Dog abhaben.
Sage ich doch, hier sind wir schon im Parkhaus. Die große blaue Box mit gelben Buchstaben war zwar nicht zu verfehlen, gefunden habe ich sie aber doch nicht. Oder erst, als meine Frau im Internet mit Routenplaner nachgesehen hat. Mit Troja finden war das sicher schwerer.
Sie schreiben es dran, da hilft kein Leugnen mehr.... Im Jhongli-Gewerbegebiet von Taoyuan.
Für Taiwan weht hier eine alte chinesische Flagge im Wind, die der "Republik China", die Taiwan adoptiert hat. Für die Schweden ist es einfacher, die nehmen einfach die schwedische Flagge (und nicht etwa eine alte finnische).
Im Inneren lief mir sogleich das Wasser im Munde zusammen bei Swedisch Rubberballs. Äh, Meatballs. Rubbersandwich war bei den Blues-Brothers. Waren lecker, mit braunä Soßa und schwedische Flagger. Fünfmal hat meine Frau gefragt, ob ich auch wirklich 15 von den Bollern will und nicht nur 10. Preis durch 40 übrigens in Euro, kann man nicht meckärne.
Frau hat dann Lachs gegessen, die Kartoffeln und die Möhren und die Bohnen waren für mich, für sie war das alles ungenießbar. So schnell kommen wir da wohl nicht wieder hin. Sniff.
Andere Nichtschweden hingegen stopften sich tapfer das Schwendenessen in den Mund. Na also, "gät" doch!
Hier zeige ich meiner Frau eine mitteleuropäische Alternative zum taiwanesischen Wasserkocherwerfen, das Modell "KOPWÄ ROLLUPSALA".
Und hier sind wir im "Paradis", wie auf dem Pralinenkasten steht. Massenhaft verblüffend günstige Schokolade und Daim und schwedische Gummibärchen habe ich mitgenommen. Nicht halb so viel wie ich gekauft hätte, wenn meine Frau nicht ständig etwas von Zuckerspiegel, Diabetes und Schlaganfall gemurmelt hätte. Irgendwann kaufe ich doch den Paradiskasten zu 479 Taiwandollar. Für das Geld kriegt man hier sonst eine Eigentumswohnung mit Swimmingpool...
P.S.: Beim Hot-Dog fehlten Röstzwiebeln und Gurken. Grummel.
LINK: In China gibt es gefälschte IKEA-Läden auf dem Lande, dieser hier in Taiwan ist echt. Die falschen in China haben keine Kötbullar und keine HotDogs. Fuck China, kann ich da nur asiatisch lächelnd sagen. IKEA ohne HotDogs, das ist wie China ohne Stupsnase und Mittelscheitel.
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/handel/0,2828,779588,00.html