Ein kleines Geheimnis soll aufgedeckt werden. Kürzlich hatte ich ja schon eine Dienstreise in ein Land erwähnt, das ich nicht nennen wollte, weil des Projektes wegen Vertraulichkeit herrschte. Diese kann jetzt entfallen, daher sei das Land, das ich uncharmant als "Kotistan" chiffriert hatte (
http://bobhonest.blogspot.com/2011/02/ausflug-nach-kotistan.html) , jetzt aufgedeckt: es war Indien, genau gesagt das Städtchen Hyderabad; eine Stadt mit hohem moslemischen Bevölkerungsanteil. Als ich den Blogbeitrag geschrieben hatte, war ich noch sehr genervt von "Kotistan"; der Name erklärt sich unter anderem dadurch, dass ein Online-Reiseführer erwähnte, man können in der Gegend öfter mal Kot auf den Straßen und sogar in Privathäusern auf dem Boden vorfinden. Wir waren in einem einheimischen "Businessklasse"-Hotel mit kakophonischem Lärmpegel abgestiegen, hatten uns das Quartier selbst schnell im Internetto gebucht nach dem Cost-Down-Prinzip, das will ich nicht leugnen. Ständig war Radau, draußen knallten Feuerwerkskörper oder was auch immer, drinnen hämmerten bisweilen Betrunkene gegen die (falsche) Zimmertür. Das Quartier war dreckig, auch wenn das nette Personal des Hotels "Sitara Paradise"
http://www.swagathgrouphotels.com/sitarap.htm - versuchte uns die Zeit zu verschönern, unter anderem mit eimerweise herangebrachten heißen Wassers. Wir waren die einzigen Ausländer in dieser boomenden Stadt, die sogar Microsoft beherbergt, allerdings waren wir eben in einem eher simplen Viertel.
Entspannt im Kreisel.... Größenunterschied beachten
In der Tat waren die Straßen schmutzig, auch das Hotel verwendete den Abstand zum Nachbarhaus als natürliche Müllhalde, das Zimmer hatte Bettwanzen zu bieten, die bei mir einen schauerlichen Ganzkörperausschlag auslöste, der mir 24h-Juckreiz bis hin zum Anschwellen des Gesichts verschaffte. Der Dauerstress, da noch ein Projekt gestemmt zu kriegen, wenn man sich am liebsten nur unter der Dusche aufhalten würde, hat mir nun die ersten grauen Haarsträhnen und - wie meine Frau manchmal kichernd erwähnt - die ersten Fältchen um die Augen eingebracht. Na ja, mit Mitte 40 darf das ja mal sein.
Ständiges Angetascht-Werden auf der Straße und der permanente Kotgeruch machten Ausflüge rar, außerdem hatten wir wenig Zeit und keine Zeit für Impfungen gehabt, daher versetzte uns jede Mücke in Aufregung. Trotzdem nehme ich auch Positives aus Indien mit: Seither gefällt mir Taiwan viel besser, denn es ist gleichsam steril rein gegenüber Hyderabad, möge der Prophet missbilligend vom Himmelszelt auf die schmuddelige Stadt gucken, die angeblich nach seinem Neffen benannt ist. Auch fahren die Taiwanesen ruhig und entspannt gegen die Inder, die nie in der Lage sind, einfach mal ohne Hupen drei Meter geradeaus zu fahren.
Indien hat jedoch auch nette Menschen, irgendwie entspannt aber trotzdem kompetent und auf der Arbeit eine große Hilfe gewesen - unsere Betreuung in der Firma dort war eine junge Frau, die von den Gesichtszügen wie eine Norddeutsche oder Dänin wirkte, nur eben viel dunkler. "Indogermanische Völkerfamilie" kam mir da in den Sinn. Das Essen war wohlschmeckend, auch wenn es mein Magen stets etwas übel nahm, so dass wir fast nur von aus Taiwan mitgebrachten Fertignudeln lebten; keine Zeit, mit den hypterteuren Taxis oder den offenen Rikschataxen irgendwelche Ausländerlokale aufzusuchen. Keine Lust, die Taxistas runter zu handeln, also gab es Nudeln im Hotelzimmer. Der Tee ist selbst in Teebeuteln dort eine Köstlichkeit, heute sehe ich Indien wieder gelassener, der Juckreiz ist schließlich weg (auch wenn der noch Monate nachgeleuchtet hat), trotzdem würde ich eine neuerliche Reise nach Indien gerne ist Jahr 2100 oder so verschieben ;-)
Modetipps haben wir auch mitgenommen, das orangefarbene Frotteehandtuch zum weißen Bettlaken, das ist Ghandimode vom Feinsten.
P.S.: Auf der Rückreise durch Malaysia hatte mich der indisch wirkende Taxifahrer für einen Mitinder gehalten und sagte zu mir: "Inder wie wir, wir halten doch zusammen". Ich beäugte mich selbst misstrauisch im Rückspiegel des alten Japaners. Dann nickte ich gewissenhaft, wie gesagt, indogermanische Völkerfamilie. Und außerdem war der Kerl ziemlich stinksauer, weil er sich vorher mit einem (nichtindischen) anderen Taxista gestritten hatte, wer uns denn nun befördern sollte und beide schienen nicht so recht Lust dazu zu haben, sondern sich lieber zu streiten. Die Drohkulisse meiner Frau hatte schließlich die chinesischen Portiers veranlasst, den Inder zum Taxidienst zu verpflichten, so lässt sich alles lösen, von Chinese zu Chinese und Inder zu Indogermanen.